Sigmund Freud Joseph Roth


Joseph Roth :

 

Alles kommt von Ihrer schwankenden Haltung. Alles Böse. Alles Mißverständliche. Alle dummen Zeitungsnotizen über Sie. Sie sind in Gefahr, den moralischen Kredit der Welt zu verlieren und im Dritten Reich nichts zu gewinnen. Praktisch gesagt. Moralisch aber: Sie verleugnen eine 30 jährige Vergangenheit. Wozu? Für wen? Für einen Geschäftsfreund. Einen braven, bornierten Menschen, das Beste was man von ihm sagen kann, der "an Ihnen" schwere Tausende verdient hat. ...
Es ist nicht für die Stunde der Entscheidung in dem Sinne, daß man gegen Deutschland für den Menschen Partei nehmen muß: sondern auch in dem, daß man jedem Freund die Wahrheit sagen muß. Also sage ich sie Ihnen - und glauben Sie mir, die Eile zwingt mich zu einem feierlichen Ton, der mir peinlich ist -: zwischen uns beiden wird ein Abgrund sein, so lange Sie INNERLICH nicht ganz, nicht endgültig mit dem Deutschland von heute gebrochen haben. Lieber wäre es mir, Sie kämpften mit dem ganzen Gewicht Ihres Namens dagegen. Wenn Sie das nicht können, bleiben Sie wenigstens still.

Joseph Roth in einem Brief an Stefan Zweig, vom 7. November 1933.


Stefan Zweig mit seinem Freund, dem Schriftsteller Joseph Roth (1894-1939) in Ostende, Juli 1936.


Stefan Zweig war seit den zwanziger Jahren mit dem großen österreichischen Schriftsteller Joseph Roth befreundet, dessen großes Talent er bewunderte. Er unterstützte ihn, versuchte ihn - vergeblich - vor dem Alkoholismus zu retten und setzte die Freundschaft auch dann noch fort, als Joseph Roth ihn wegen seiner angeblich zu weichen Haltung gegen den Nationalsozialismus scharf kritisierte.

Hidemar Holl






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