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Alles
kommt von Ihrer schwankenden Haltung. Alles Böse. Alles
Mißverständliche. Alle dummen Zeitungsnotizen über
Sie. Sie sind in Gefahr, den moralischen Kredit der Welt zu
verlieren und im Dritten Reich nichts zu gewinnen. Praktisch
gesagt. Moralisch aber: Sie verleugnen eine 30 jährige
Vergangenheit. Wozu? Für wen? Für einen Geschäftsfreund.
Einen braven, bornierten Menschen, das Beste was man von ihm
sagen kann, der "an Ihnen" schwere Tausende verdient
hat. ...
Es ist nicht für die Stunde der Entscheidung in dem Sinne,
daß man gegen Deutschland für den Menschen Partei
nehmen muß: sondern auch in dem, daß man jedem
Freund die Wahrheit sagen muß. Also sage ich sie Ihnen
- und glauben Sie mir, die Eile zwingt mich zu einem feierlichen
Ton, der mir peinlich ist -: zwischen uns beiden wird ein
Abgrund sein, so lange Sie INNERLICH nicht ganz, nicht endgültig
mit dem Deutschland von heute gebrochen haben. Lieber wäre
es mir, Sie kämpften mit dem ganzen Gewicht Ihres Namens
dagegen. Wenn Sie das nicht können, bleiben Sie wenigstens
still.
Joseph
Roth in einem Brief an Stefan Zweig, vom 7. November 1933.

Stefan
Zweig mit seinem Freund, dem Schriftsteller Joseph Roth (1894-1939)
in Ostende, Juli 1936.
Stefan
Zweig war seit den zwanziger Jahren mit dem großen österreichischen
Schriftsteller Joseph Roth befreundet, dessen großes
Talent er bewunderte. Er unterstützte ihn, versuchte
ihn - vergeblich - vor dem Alkoholismus zu retten und setzte
die Freundschaft auch dann noch fort, als Joseph Roth ihn
wegen seiner angeblich zu weichen Haltung gegen den Nationalsozialismus
scharf kritisierte.
Hidemar
Holl
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