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Wenn ich
den teuren Namen Rainer Maria Rilkes, obwohl er ein deutscher
Dichter war, auf das Blatt der Pariser Tage schreibe, so geschieht
dies, weil ich in Paris am öftesten und besten mit ihm beisammen
gewesen bin...
Ich besuchte ihn dort in zwei verschiedenen Mietzimmern. Jedes
war einfach und schmucklos und bekam doch sofort Stil und
Stille durch seinen waltenden Schönheitssinn.
Nie durfte es ein mächtiges Mietshaus sein mit seinen lärmenden
Nachbarn, lieber ein altes, wenn auch unbequemeres, in dem
er sich heimisch machen konnte ...
Immer leuchteten Bücher an der Wand, schön gebunden oder in
Papier sorgsam eingeschlagen, denn er liebte Bücher wie stumme
Tiere. Auf dem Schreibtisch lagen die Bleistifte und Federn
in kerzengerader Linie, die Bogen des unbeschriebenen Papiers
in einem reinen Rechteck gereiht; eine russische Ikone, ein
katholisches Kruzifix, die ihn, glaube ich, auf allen seinen
Reisen begleitet haben, gaben der Arbeitszelle einen leicht
religiösen Charakter, obwohl seine Religiosität an kein bestimmtes
Dogma gebunden war.
Stefan
Zweig: Die Welt von gestern.
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